
Begehrte Preise: Der Künstler Peter Struck hat die Skulptur für den Madsack Award geschaffen - in Anlehnung an das historische Anzeiger-Hochhaus in Hannover.
Der Madsack Award
Guter Journalismus ist gar nicht so selten. Aber nicht immer sind bedeutende Leistungen so gut sichtbar, wie sie es verdient haben. Sei es, weil sie im allgemeinen Medienrauschen untergehen, sei es, weil die Arbeit im Hintergrund geschieht. Wir wollen dazu beitragen, dass sich das ändert. Die Stiftung vergibt den Madsack Award mit Blick auf Substanz und Qualität journalistischer Arbeiten – vor allem im Lokaljournalismus. Die Auszeichnung geht an Personen und Redaktionen, deren Leistungen die Ziele der Stiftung in besonderer Weise widerspiegeln. Dabei sind alle Mediengattungen und Verbreitungswege willkommen.

Unsere Preisträger: Julia Baumann-Scheyer, Josa Mania-Schlegel, Antonie Rietzschel, Sylvia Madsack, Erik Westermann, Nina Kolleck (vl.l.) - Foto: Schaarschmidt
Das sind unsere Sieger 2026
Unsere Preise gehen in diesem Jahr an die Lokaljournalisten Julia Baumann-Scheyer (Kolumna, Lindau), Erik Westermann (Braunschweiger Zeitung) sowie das Team Antonie Rietzschel und Josa Mania- Schlegel (Leipziger Volkszeitung). Die Potsdamer Bildungsforscherin Prof. Nina Kolleck erhält den diesjährigen Sachbuch-Award der Stiftung.
Die Awards sind mit je 5000 Euro dotiert und wurden von Stifterin Sylvia Madsack übergeben.
Die Ausgezeichneten

Ausgezeichnet: Julia Baumann-Scheyer mit Hendrik Brandt.
Julia Baumann-Scheyer
Sie erhält den Preis für ihre engagierte Artikelserie zu einem Skandal in der Stadtverwaltung in Lindau am Bodensee. Dort betrieben Mitarbeiter des Bauamts parallel eine private Bau-Beratungsfirma; auch Teile der Stadtspitze waren verwickelt. Baumann-Scheyer hat dies aufgedeckt und hartnäckig verfolgt; die Konsequenzen waren weitreichend. Die Arbeit ist ein beachtlicher Recherche-Scoop des noch jungen digitalen Lokalmagazins Kolumna. Julia Baumann-Scheyer hat es mit wenigen Mitstreitern vor zwei Jahren gegründet, dank ebenso unerschrockener wie seriöser Arbeit konnte es sich ungewöhnlich rasch etablieren.
“Julia Baumann-Scheyer ist eine Mutmacherin für den Lokaljournalismus. Sie zeigt, dass die publizistische Arbeit vor Ort eben nicht vom Medium abhängt – sondern einzig von der Qualität und Relevanz ihrer Inhalte.”
Hendrik Brandt, Journalist und Geschäftsführer der Madsack Stiftung, in seiner Laudatio.

Herausragend: Erik Westermann mit Takis Würger.
Erik Westermann
Zwei Fehlurteile, ein falsches Geständnis, Strafverfolger mit einem Tunnelblick und am Ende ein Justizskandal: Erik Westermann, Gerichtsreporter der Braunschweiger Zeitung, erhält den Madsack Award für ein herausragendes Dossier zum Fall eines angeblichen Missbrauchsopfers. Seine Arbeit geht über Grenzen. Inhaltlich, weil er in der bundesweit beachteten „Sache Josephine R.“ ein dramatisches Fehlurteil der Justiz samt seiner komplizierten Entstehung beschreibt. Formal, weil die Fülle des Materials zunächst kaum beherrschbar schien. Und nicht zuletzt journalistisch, weil Westermann thematisiert, wie er in seinen Berichten selbst lange auf der falschen Fährte war und sich wie das Gericht von einem angeblichen Opfer hat täuschen lassen. Nicht zuletzt sein öffentlicher Umgang damit erscheint der Stiftung vorbildhaft.
„Erik Westermann arbeitet mit einer Recherchetiefe und Besessenheit, die ihresgleichen sucht. In der Aufklärung des Falls – und auch, wenn es um eigene Fehler geht. Das ist mutig. Das ist souverän.“
Takis Würger, Schriftsteller und Stiftungsvorstand in seiner Laudatio.

Hochgelobt: Antonie Rietzschel und Josa Mania-Schlegel mit Susanne Amann.
Antonie Rietzschel und Josa Mania-Schlegel
Das Team aus der Redaktion der Leipziger Volkszeitung erhält den Madsack Award für seine journalistische Arbeit zu einer Welt, die ihm wie den Leserinnen und Lesern zuvor verschlossen war: Clan-Kriminalität in Leipzig. Mit der Suche nach einem Unfallfahrer begann eine journalistische Tiefenbohrung. Die Autoren erkundeten mit großem Einsatz, Mut und Fingerspitzengefühl eine Parallelgesellschaft, in der das Wort deutscher Polizisten nicht viel gilt und die ihre Konflikte gern selbst klärt. Deren Mitglieder oft gewaltbereit, intuitiv und kompromisslos handeln, während sie regelmäßig das Gesetz brechen. Die Reportagen des Teams sind eine exzellente Aufklärungsarbeit im besten Sinn, die noch lange nicht zu Ende ist.
„Antonie Rietzschel und Josa Mania-Schlegel zeichnen ein klares Bild der vorhandenen Probleme, bleiben aber immer sachlich im Ton, mit Empathie für die Protagonisten – selbst, wenn sie das System ausnutzen. Das ist nicht selbstverständlich.“
Susanne Amann, DER SPIEGEL, in ihrer Laudatio.

Ausgezeichnet: Prof. Nina Kolleck mit Sylvia Madsack.
Nina Kolleck
Die Potsdamer Bildungsforscherin beschreibt in ihrem Buch „Der Kampf in den Köpfen“ (Rowohlt) eindrucksvoll, wie TikTok, Instagram und Co. das Denken, Fühlen und Selbstbild von Kindern und Jugendlichen prägen und Einfluss auf deren Persönlichkeitsentwicklung nehmen. Ebenso fundiert wie anschaulich macht sie deutlich, wie Algorithmen und Influencer digitale Belohnungsmechanismen nutzen, soziale Beziehungen verändern und politische Einstellungen wie Überzeugungen beeinflussen können. Dabei setzt sie in der kontroversen Debatte um Social-Media-Einschränkungen für Jugendliche einen wichtigen Akzent: Pauschale Verbote griffen zu kurz, sagt sie. Statt die Verantwortung allein Kindern, Eltern und Schulen aufzubürden, fordert sie gemeinsames Handeln von Politik, Bildungseinrichtungen, Familien und Plattformbetreibern, um junge Menschen vor Manipulation, Radikalisierung und den schädlichen Folgen digitaler Dauerreize zu schützen.
„Mit welch perfiden Mechanismen die sozialen Medien und Plattformen tief in die Psyche von Kindern und Jugendlichen hineinwirken beschreibt Nina Kolleck in einer Vielschichtigkeit und Klarheit, die mich beim Lesen immer wieder schaudern ließ. Lesen Sie dieses Buch!“
Sylvia Madsack, Stifterin, in ihrer Laudatio auf Prof. Nina Kolleck.






























